Sonntag, 21. Juli 2013

Kamerafieber und Vesperfrühstück

Eigentlich mag ich das gar nicht. Ich auf Fotos. Und schon gar nicht auf bewegten, vertonten Bildern. Garrrr nicht. Genau deshalb hab ich mitgemacht. So als Über-den-Schatten-Spring-Übung.

Es war so. Es wurden 3 Personen gesucht, die sich ehrenamtlich in einem Quartier engagieren und für ein Portrait bereit waren. Ich hab mich also gemeldet. Hab über meine Mitarbeit im Vorstand des Quartiervereins Zürich-Wipkingen (ich betreue dessen Facebook-Seite) geplaudert, von meiner kürzlich abgeschlossenen Masterarbeit zum Thema "Kommunikation im urbanen Quartier" und natürlich von meinem neusten und liebsten Projekt, einem monatlichen veganen Frühstückstisch im Gemeinschaftszentrum Wipkingen.

Da der nächste Frühstückstisch zur Zeit des Drehs noch ganze 3 Wochen in der Ferne lag, hab ich flugs bei mir zu Hause eine Miniversion kreiert. Interessant, diese Dreharbeiten. Immer wieder das Chuchichäschtli aufmachen (wenn die Technik mitgespielt hätte, wäre dies sogar noch aus dessen Innensicht gefilmt worden, und ich schwörs, ich hätte die kleine Kamera cool ignoriert), immer wieder Zopf, Holunderaufstrich und Agavendicksaft rausnehmen, bis die Szene wirklich hübsch im Kasten ist. Und unzählige Male Teller, Messer und Löffel artig auf den Tisch drapieren. Und so weiter. Schweissausbruch inklusive.

Ein 2er-Frauen-Team stellte die TV-Crew dar. Eine für die Regie, eine für die Kamera. 3 Stunden Arbeit für 2 Minuten Film. Na ja, wenn man 15mal veganen Käse und Aufschnitt aus dem Kühlschrank holen muss, dauert das eben etwas.

Collage vom ersten veganen Frühstückstisch am 22.6.2013.
Mehr Fotos sowie allgemeine Infos unter www.vlowers.ch.

Am späten Nachmittag, nach getaner Arbeit, wurde dann endlich gefrühstückt. Schliesslich sollte der inszenierte Frühstückstisch ja nicht nur Show sein für den späteren Videoclip. So kam es dann zu einer Frühstücksveranstaltung im quasi privaten Rahmen. Wir tranken Kaffee, vertilgten fast einen ganzen Zopf (gekauft bei Eva's Apples) und ich bewarb fleissig die veganen Goodies auf dem Tisch, inklusive den frisch gebackenen Kokos-Muffins. So hätte ich wieder etwas abkühlen können. Tat ich auch. Zumindest bis mir das Wort "Nutztier" eine Hitzewallung besorgte. Genauer die Aussage: "Das sind für mich halt Nutztiere." Ok. Durchatmen. Nutztiere. Zum Nutzen. Zum Ausnutzen... Schön locker bleiben.

Aber was sagt man denn, wenn jemand dieses Wort so selbstverständlich ausspricht. So selbstverständlich, wie die meisten Menschen dieses Wort eben gebrauchen. Und vor allem, was sagt man, wenn dieser jemand echt supernett und sympathisch ist. Ich habs so gemacht: Zuerst mal drauf hingewiesen, dass es auch mal Nutzmenschen gab und immer noch gibt. Sie heissen einfach nicht mehr so. Ausgesucht haben sie es sich ebenfalls nicht. Genauso wenig wie ein Schweinchen oder ein Kälbchen es sich aussucht, aufgrund seiner Spezies schon ab Geburt ungefragt der Kaste der Nutztiere anzugehören, während entzückende Hunde- oder Katzenbabies sich automatisch in der vermeintlich höheren Kaste der Haus-Kuschel-Schosstiere einordnen dürfen. Das ist Diskriminierung. Fies und falsch. Speziesimus. Mehr dazu hier.


Leben. Lieben. Glücklich und gesund sein. Das wollen wir doch alle, wir Menschentiere und Tiermenschen. Respektiert sein. Frei - so frei wie möglich. Ganz fest hoffe ich, mit dieser Erklärung den beiden Frauen einen kleinen Denkanstoss gegeben zu haben. Eine Stimme für die Tiere. Das ist es, was erst mal zählt. Die Handlungen werden folgen.

Tja, und nun der Clip. Leider zum Vergessen. Ein ganzer Nachmittag, zusammengeschnipselt auf 2 Minuten, und aus einem mir unverständlichen Grund durften genau die nichtssagenden Gesprächspassagen drin bleiben. Musikalische Untermalung ebenfalls Fehlanzeige. Fazit: lauwarme Arbeit aber ein heisser "Hinicht" beim Vesperfrühstück.

Kommentare:

  1. Huiiii jetzt wirst' berühmt :-)
    Und hey, du kommst aber super sympathisch rüber (also bist du ja natürlich auch). Das wird, das wird. Du wirst ein neues veganes Sprachrohr :-) Ich finde dein Engagement klasse - weiter so!

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    1. Sprachrohr :o)) Ich bin lieber ein Schreibrohr, das entspricht mir mehr :o) Aber merci fürs Kompliment :o)

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